Geschichte - Gänheim im Werntal

Gänheim im Werntal kann auf eine 1275-jährige Geschichte zurückblicken. Die Ansiedlung wird erstmals 742 als karolingisches Königsgut benannt. Die Einkünfte erhält das von Bonifatius gegründete Bistum Würzburg.

Im Jahr 1057 gelangt Gänheim an den Grafen Otto von Schweinfurt und über die Grafen von Diessen-Andechs wieder an den Bischof von Würzburg.

1113 übergibt Bischof Erlung die Freihöfe an das Domkapitel.

Adelige „von Gänheim“ werden 1189 erstmals in Urkunden genannt. Sie besitzen den „Gänheimer Hof“ in Würzburg.

1286 wird der Weiler Ruppertzaint als „Ruprechtshayn“ beurkundet.

Die im Jahr 1400 erstmals belegte „Haumühle“ gehört bis 1803 zur „Erboblei“, das heißt zu den „Freihöfen“ des Würzburger Domkapitels. Ab ca. 1850 wird der Name „Aumühle“ gebräuchlich. Ein Großbrand im April 1956 beendet die Existenz der Mehl-Mühle.

Fürstbischof Johann von Egloffstein lässt 1410 in Würzburg das „Gänheimer Viertel“ nach dem „Gänheimer Hof“ benennen. Der Viertelmeister nimmt hier die Steuern für den Bischof ein.

Gottfried Schenk von Limpurg stiftet 1443 die Pfarrei Gänheim, die bis dahin zur Urpfarrei Beinsgesang (Altbessingen) gehört.

 


Gedenktafel Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn

 Die Gedenktafel anlässlich der 40-jährigen Regentschaft des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn berichtet im Jahr 1614: „… thut er die Kirch‘ (und) Pfarrhaus restaurier‘n. Das Schulhaus auch neu aufführ‘n“.

Im Dreißigjährigen Krieg kommen im Jahr 1631 schwedische Reiter nach Arnstein und Gänheim. Plünderung, Brandschatzung und Erpressung folgen. Bereits 1634 ist nahezu der ganze Ort abgebrannt, 1639 auch das Langhaus der Kirche. Schließlich lassen 1647 die abziehenden Schweden auch noch den Pfarrhof in Flammen aufgehen. Die Chronik berichtet: „Die Leute sind gestorben, im Elend verdorben“. Am Ende des langen Krieges hat Gänheim nur noch zwei männliche Einwohner.


Unter Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg werden 1687 der Pfarrhof (das Foto zeigt Wappen und Inschrift über der Haustüre) und 1695 das Langhaus der Kirche wieder aufgebaut.

Im Jahr 1709 entsteht eine zweite Mühle in Gänheim, die 1882 Michael Kaiser erwirbt. Diese „Kaisermühle“ gibt 1971 den Mehl-Mühlenbetrieb auf und verstärkt ihre Kraftfutterherstellung. Seit 2003 ist sie ein reines Biofutterwerk.

1803 geht die weltliche Herrschaft des Fürstbischofs und des Domkapitels nach fast 700 Jahren zu Ende.

1804 wird der Friedhof, der bis dahin rings um die Kirche war, auf die Anhöhe südöstlich des Dorfes verlegt.

Im Jahr 1811 zählt man in Gänheim 86 Wohnhäuser und 439 Einwohner.


1848 endet die Grundherrschaft der Freiherren von Würtzburg im Weiler Ruppertzaint. Die rund 600 Morgen Äcker, Wiesen und Wälder werden unter den vier Ruppertzainter Familien aufgeteilt.


1864 beginnt die alljährliche Gänheimer Dettelbach-Wallfahrt.

1875 erfolgt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

1879 fährt erstmals die Eisenbahn durchs Werntal. Auf Betreiben von Pfarrer Euchar Müller erhält Gänheim 1890 eine Haltestelle, die 1897 zur Bahnstation ausgebaut wird.

Der Braubursche und Auswanderer Andreas W. Oppmann (1844-1910) wird in Cleveland, Ohio, USA, ein “Bierbaron”.

 

 

 

 

 

 

 

Der in Gänheim geborene Dr. Nikolaus Wecklein (1843-1926), im Foto links, ist von 1886-1913 Rektor des Maximilians-Gymnasiums in München, Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Obersten Schulrats. An seinem fortschrittlichen Gymnasium machen 1902 erstmals Mädchen ihr Abitur. – Dr. Weckleins Enkel Werner Heisenberg, im Foto rechts, erhält 1932 den Nobelpreis für Physik. Im Foto in der Mitte steht Weckleins Enkel und Werners Bruder Erwin Heisenberg.

Die Post eröffnet im Jahr 1900 eine Agentur in Gänheim.

1911 erhält der Ort eine erste Wasserleitung.

Der Darlehenskassen-Verein Gänheim, die spätere Raiffeisenbank, wird 1911 gegründet.
 
1915 hat das Dorf 103 Häuser und 598 Einwohner.


Im Ersten Weltkrieg sterben 22 Soldaten aus Gänheim.

Ab 1920 wird das Dorf mit elektrischem Strom versorgt. Das Foto zeigt die „Dreschleute“ bei Maria Schäfer vor der Zehntscheune. Ein großer Elektromotor im Motorwagen, links, treibt über den langen Flachriemen die Dreschmaschine, Mitte, und die Strohpresse, rechts, an.

1928 ist das Gründungsjahr des DJK-Sportvereins.

Alfred Scheuring gründet 1929 seine Schreinerei, die sich zur heutigen Scheuring Fensterbau GmbH weiterentwickelt hat.

1929 wird die „Genossenschaftsbrauerei Werntal & Umgebung“ mit ca. 1.270 Genossen in Gänheim aufgebaut und in Betrieb genommen. 1952 entsteht daraus die „Werntalbräu“ von Gregor Hofmann und von 1955 bis 1988 von Robert Hofmann. Bier wird bis 1985 gebraut.


Im Zweiten Weltkrieg sterben 50 Gänheimer Soldaten.

1949 gründet Gottfried Ziegler eine weitere Schreinerei in Gänheim und fertigt ab 1970 Kunststoff-Fenster. Aus Platzmangel zieht der Betrieb 1977 in die Sondheimer Au nach Arnstein und firmiert ab 1978 als Ziegler Fensterbau GmbH.

Dem Kirchen-Neubau müssen 1970 das Lehrer-Wohnhaus, das Gemeinde-Backhaus, das Feuerwehrhaus, das Kirchen-Langhaus und das Kriegerdenkmal weichen. Mit viel Eigenleistung entsteht der Neubau, den Weihbischof Alfons Kempf im Juli 1971 einweiht.

In den 1970er Jahren machen zahlreiche Fossilienfunde die Gänheimer Muschelkalk-Steinbrüche bei Sammlern und Behörden bekannt. Eine markante Gesteinsschicht erhält den Namen „Gänheim-Bank“. Diese Bank besteht aus Muschelkalk-Ablagerungen im Binnenmeer, das vor 240 Millionen Jahren ganz Mitteleuropa bedeckte und erstreckt sich von Schlesien bis ins Elsass.

1978 wird die Bundesstraße 26 als Ortsumgehung auf die Nordseite der Bahnlinie verlegt. Die Ortsanbindung erfolgt durch Straßen- und Bahn-Unterführungen. Damit entfallen die Bahnschranken nach Arnstein (Foto), Mühlhausen und Ruppertzaint.



Am 1. Mai 1978 wird die bis dahin selbständige Gemeinde Gänheim in die Stadt Arnstein eingegliedert.

1985 kauft das „Universelle Leben“ in Ruppertzaint einen Hof mit 15 Hektar Feld und zwei Hektar Wald. Der Obst- und Gemüsehof trägt den Namen "Gut zum Leben“.

Im Juli 1986 bezieht die DJK Gänheim ihre neue Sportanlage am Wangenberg.

1992 feiert das Dorf seine Erstbenennung vor 1250 Jahren und 1993 die Stiftung seiner Pfarrei vor 550 Jahren.
Die Ortschaft vergrößert sich mit den Siedlungen „Hohe Hecke“, „Ober dem Dorf“, „Heeg“ und „Schlossberg“ erheblich. Ende 2013 zählt der Ort 780 Einwohner.
2017 werden „1275 Jahre Gänheim“ gefeiert.



24. Februar 2018, Willi Albert